Ein Votum für mehr Selbstgestaltung.

Als liberaler und aufgeklärter Mensch gehe ich davon aus, dass ich weitgehend selbst bestimmen kann, was ich tue, was ich unterlasse, was ich konsumiere, wie ich meinen Lebensraum gestalte, kurz: wie ich lebe.

Und ich weiss, dass meine Freiheiten dort beschränkt sind, wo die Freiheit des nächsten Menschen beginnt. Also ist klar: die totale Freiheit gibt es nicht. Natürlich braucht es und gibt es Regeln, die wir Menschen – mindestens in unseren demokratischen Staaten - selbst aufstellen und an die ich mich halten muss.

Gerade in der Schweiz habe ich die Möglichkeit mitzugestalten. Unsere Verfassung gibt mir als einzelner Bürger mehr Möglichkeiten und Instrumente zur Mitbestimmung als in jedem anderen Land der Welt.

Nur: ich muss sie nutzen. Dass bei Abstimmungen und Wahlen nur eine Minderheit der Mitbestimmungsberechtigten ihr Recht (ich sehe diese auch als Pflicht) wahrnehmen, ist schade, aber auch bedenklich. Denn in Tat und Wahrheit bestimmt dann eine Minderheit, welche Personen die Geschicke des Landes leiten, welche Sachfragen wie entschieden werden. Und noch bedenklicher ist, dass nur rund 30% (Tendenz abnehmend) der jungen Wahl- und Stimmberechtigten ihr Recht wahrnehmen.

Und da beginnt es meiner Meinung nach. Sollten wir uns als Eltern nicht als erste fragen, was wir unternehmen können, um diesen Missstand zu beseitigen? Und klar können auch Schulen und Parteien mehr tun, um die die jungen Bürger zur aktiven Teilnahme zu bewegen.

Ein aktuelles Beispiel zur Wahrnehmung der Eigenverantwortung: das Umweltthema. Wir wissen spätestens seit den 70er Jahren («Grenzen des Wachstums», Club of Rome), dass die unbedachte Nutzung von Ressourcen der Umwelt schadet. Wir haben es damals - teilweise interessiert - zur Kenntnis genommen, aber geschehen ist eigentlich wenig. Der Leidensdruck war zu klein, als das ich mir als einzelner Mensch ernsthaft Sorgen machte.

Und heute, wo der Leidensdruck grösser wird, die Schäden mess- und sichtbarer sind, beginnen wir ernsthaft zu diskutieren und zu handeln.

Doch, was machen wir? Wir suchen zuerst Schuldige. «Die Politik tut nichts, die Wirtschaft ist verantwortlich, die Gesellschaft schlechthin», sind gängige Beschuldigungen. Und man geht auf die Strassen und protestiert, selbstverständlich ein gutes Recht in demokratischen Staaten. Das bringt zwar Aufmerksamkeit und rüttelt auf, aber gelöst ist damit nichts, sicher aber wurde mindestens eines ausgelöst, die Herausforderung ist definitiv in fetter Schrift auf der „Traktandenliste“ der Politik, der Wirtschaft, Wissenschaft und jedes einzelnen Menschen.

Wir als Individuen sind Teil des Problems aber auch Teil der Lösung; wir können auch ohne Zwang und Vorgaben verantwortungsbewusst handeln, Möglichkeiten gibt es viele.

Wie wäre es, wenn jeder einzelne beginnen würden, sich verantwortungsvoller gegenüber unserem «Gastgeber» der Welt, der Umwelt zu verhalten? Und wir können das, als einzelne Person und als Familie.

Meine Frau und ich haben beispielsweise den Konsum von Fleisch und tierischen Produkten markant reduziert, benutzen immer häufiger die öffentlichen Verkehrsmittel, leisten konsequent bei unseren Flugreisen mit einem Beitrag an „My Climate“ einen Beitrag an den Klimaschutz, entsorgen unseren Abfall bewusst und konsequent und verbannen nicht reziklierbaren Plastik aus unserem Haushalt. In zwei Wohneigentümergemeinschaften in denen wir Mitglieder sind, habe ich die Initiative ergriffen, die Sonnenenergie zu nutzen. Ja, kein einfaches Unterfangen, mal sehen, ob es klappt. Und gleichzeitig sind wir daran die Garage mit Ladestationen für Elektroautos auszustatten.

Für alle diese Massnahmen, Initiativen brauchen wir nicht wirklich staatliche Vorgaben; sofern wir überzeugt sind, dass Handlungsbedarf besteht.

Ja, es scheint nicht viel, was wir tun können, es sind eher kleine Schritte aber, in der Menge können sie viel auslösen und bewirken. Letztlich betrachte ich solch Auslagen und das Verzichten als gute, nachhaltige Investition in die Zukunft.

Natürlich können Politik und Staat Rahmenbedingungen vorgeben, die werden aber die Herausforderungen der Klimaproblematik alleine nicht lösen. Und, man muss auch klar kommunizieren, dass die Lösung dieser Probleme nicht zum Nulltarif zu haben sind und, dass auch in gewissen Belangen Verzicht nicht zu vermeiden sein wird.

Wir sind alles Konsumenten, wir können als solche vieles beeinflussen. Wir leben in einer Marktwirtschaft und wissen, dass der Markt auf Veränderung der Nachfrage reagiert. Wir sollten uns alle bewusst werden, welche Macht wir als mündige Bürger und Konsumenten haben und, dass mit dieser Macht auch Verantwortung einhergeht.

Ich appelliere, nehmen wir diese Verantwortung wahr und erwarten wir nicht, dass jemand anders unsere Probleme löst. Haben wir alle wieder vermehrt Freude aktiv mitzugestalten.

_______

Urs Hofmann verfügt über 30 Jahr Erfahrung im Management und Human Resources und engagiert sich national und international für Bildungsfragen

Diesen Artikel teilen