Bildung ist wichtig. Darüber herrscht wohl nahezu Einigkeit. Das belegen auch die vorliegenden Beiträge im Blog. Will die hochentwickelte Schweiz mit ihrem Anspruch auf Spitzenleistung weiterhin Rankings hinsichtlich Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit mit anführen oder einfach spitze sein, braucht es Bildung – und das auf Top Niveau.

Denkhaltung: Bildung als „partie de la vie“?

Folgendes kommt mir in den Sinn: In meinem Umfeld gibt es viele, die sich aktiv um ihre Gesundheit bemühen. Sie treiben Sport, achten auf ihre Ernährung und informieren sich. Und das eigeninitiativ, ganz ohne Verordnung von Außen. Es ist selbstverständlich und gut, permanentes, lebenslanges Körper-Management zu betreiben. Ziel ist es, einen gesunden Körper zu haben. Es gehört einfach zum Leben dazu – „partie de la vie“!

Wie steht’s diesbezüglich mit Bildung. Ist Bildung „partie de la vie“? Klar, man besucht die Schule, macht in der Regel eine Berufsausbildung sowie ein wenig Weiterbildung. Aber darüber hinaus? Und aus welchen Motiven heraus – eigeninitiativ oder verordnet – und warum? Permanente Bildung = gleich lebenslange, geistige Formung mit dem Ziel, einen gesunden Geist zu haben? Übernehme ich hier Eigenverantwortung, in dem ich regelmäßig selbst Bildung aktiv suche und mir verordne?

In einem führenden „Erste Welt“ Staat wie der Schweiz, muss Bildung ein selbstverständlicher, selbstverordneter Teil des Lebens sein. Und das lebenslang! Es muss heißen: Sich immerfort bilden dürfen und nicht immer Mal bilden müssen (und die Schweiz hat ein tolles Bildungsangebot, heute schon). Dass der Bildung die geforderte Selbstverständlichkeit zukommt, diese positiv belegt und von jedermann gesucht wird, dafür braucht es Dialog und Diskurs. Beides bringt und verbreitet (neue) Gedanken in den Köpfen der Menschen.

Umsetzung: Bildung „du dernier cri“

Es ist mittlerweile erforscht und bekannt: Bildung kann nur dann „spitze“ sein, wenn sie nicht bei der Vermittlung von Fachinhalten halt macht. Genauer betrachtet: Bildung bzw. das Bildungssystem eines Standorts formen persönliche, soziale, methodische und fachliche Kompetenzen und bauen Wissen auf. Dies spezifisch. Bei den Menschen, die an diesem Standort leben und an diesem System partizipieren.

Bildungs-Inhalte:

Wir können und müssen engagiert entscheiden, welche Kompetenzen und welches Wissen wir künftig für den Spitzenstandort Schweiz brauchen und fördern wollen: Aktive Formulierung des gesellschaftlichen Auftrags an die Ausbildungsinstitutionen. (z.B. Lehrplan21 bzgl. Mindestansprüche, Kernkompetenzorientierung, Flexibilität, siehe auch den Beitrag von Claudia Wirz, NZZ).

Rollen:

Wer übernimmt bei der Vermittlung („Umsetzung“) der Inhalte welche Rolle mit welcher Zielsetzung? Es sind nicht nur die „schulenden“ Institutionen gefragt, auch die „erziehenden“ und alle die „prägend“ für die Bildungsaktivitäten eines Landes sind. Dann ist schnell deutlich, dass eben auch Unternehmen, Politik, und Medien gefragt sind (selbstverständlich auch Andere). Jeder hat Verantwortung zu tragen und kann nicht nur Erwartungen an „die Anderen“ platzieren, ein bisschen mitreden oder einfach nur kritisieren. Schließlich findet Bildung nicht nur in den Ausbildungsinstitutionen statt.

Vernetzung:

Wesentlich sind in der Bildung Faktoren wie Vernetzung, Flexibilisierung und Internationalisierung. Monodimensionale und in sich geschlossene Ausbildung dient den heutigen Anforderungen nicht. Auch Differenzieren kann man sich damit nicht. Offene, modulare, flexible Systeme sind gefragt. Wie sagt man so schön: Mehr als die Summe der Einzelteile, d.h. ein Bildungsniveau erreichen, das höher ist als das Summenniveau der einzelnen Bausteine. Schweizer Ausbildungsakteure sind diesbezüglich aktiv: Harmonisierung der Programme für mehr Mobilität und Flexibilität innerhalb und zwischen den Bildungssystemen (z.B. Lehrplan21, Bologna-Prozess), Individualisierung und Interdisziplinarität (Wahlmöglichkeiten im Studiengang oder interdisziplinäre  Studiengänge wie z.B. an der ETH). Mit ein wenig Phantasie kann man sich aber für die Zukunft noch deutlich weiter führende Konzepte vorstellen.

Also, der Schweizer Bildungsdiskurs ist im Gange. Reformen werden vorangetrieben (gerne sei hier auf die Replik  „Bildungslücken in der Bildungsdiskussion“ im Schweizer Monat von Rudolf Künzli hingewiesen).

Was kann ein Beitrag der Plattform StrategieDialog21 zum Thema Bildung sein?

Entsprechend Dialoge fördern und führen. Das Unternehmertum mit seinen Bedürfnissen muss dabei immer stark vertreten sein, wie auch Lehre, Politik und Medien. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz ist Leitmotiv. Was die Schweiz braucht und was Bildung gewährleisten muss, sind Menschen, die Engagement für die Sache zeigen und bereit und fähig sind, Verantwortung zu übernehmen. Eine Annäherung an folgende Punkte ist vorstellbar:

  • Welche Denkhaltung/Einstellung gegenüber Bildung wünschen wir uns in der Schweiz (Bildung als „partie de la vie“)?
  • Welche Kompetenzen persönliche, soziale, methodische, fachliche...) und welches Wissen sollen für den Standort Schweiz stehen?
  • Welche zentralen Rollen gibt es im Bildungssystem und wie werden diese wahrgenommen – im Zentrum steht dabei immer das Bewusstsein für den eigenen Beitrag, dann folgen die Beiträge der Anderen
  • Welche Grade an Flexibilität, Offenheit und Vernetzung soll das Schweizer Bildungssystem aufweisen – auch zur klaren internationalen Differenzierung

Wie hat schon Philosoph Peter Bieri angemerkt: „Bildung beginnt mit Neugier“. Ich freue mich, beim SD21 zum Thema Bildung mitwirken zu dürfen, und bin neugierig, was die künftigen „StrategieDialoge21“ entfachen.

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