6. Chancenbarometer - Expertenstimmen zum Thema Resilienz
„Neutralität schützt weder vor Bedrohung noch vor Krieg auf dem Kontinent“, meint Beat Wittmann. Der ausgewiesene Sicherheitsexperte warnt nach der Münchner Sicherheitskonferenz vor einer gefährlichen Abwartetaktik. In einer Ära von Nationalismus und Supermachtrivalität müsse die Schweiz ihre Souveränität durch eine massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben sichern. Ein Plädoyer für einen nationalen Sicherheitsrat, der Blockaden in Bern überwindet und die Resilienz unserer Nation nachhaltig stärkt.
Ich setze mich für die Schweiz ein und engagiere mich beim Chancenbarometer, weil unsere Generation gefordert ist zu handeln. Wir tragen die Verantwortung, eine von unseren Eltern geerbte sichere und prosperierende Schweiz mit einer nachhaltig attraktiven Zukunftsperspektive weiterzugeben.
Die Epoche des Multilateralismus ist vorbei
Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 machte deutlich: Die Epoche des Multilateralismus und des Freihandels ist vorbei; sie ist einer neuen Zeit des Nationalismus und der Supermachtrivalität gewichen. Aggressive Machtpolitik und Protektionismus prägen die geopolitische Ordnung. Das transatlantische Verhältnis besteht fort, doch die Botschaft aus Washington war klar: Die USA verfolgen ihre Interessen unilateral, Europa muss innerhalb der NATO rasch und massiv mehr Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen. Europa zeigt sich dazu bereit – zugleich betonten die europäischen Regierungschefs, dass die Bedrohung durch Russland dauerhaft bleibt, unabhängig von Waffenstillstand oder Friedensschluss.
Für die Schweiz im Herzen Europas bedeutet dies einen strategischen Realitätsschock. Neutralität schützt weder vor Bedrohung noch vor Krieg auf dem Kontinent. Als wirtschaftlich offene, finanzsystemisch relevante und energie-interdependente Volkswirtschaft ist unsere Souveränität untrennbar mit der europäischen Sicherheit verknüpft. Eine abwartende Abschottungspolitik genügt unter diesen Bedingungen nicht; fortgesetztes sicherheitspolitisches Trittbrettfahren wird von europäischen Partnern zu Recht nicht akzeptiert.
Daraus ergeben sich drei zentrale Handlungsfelder:
Erhöhung der Verteidigungsausgaben: Eine rasche und substanzielle Erhöhung der Verteidigungsausgaben mit dem Ziel, nationale Souveränität durch Abschreckung, Mobilisierungsfähigkeit und Durchhaltevermögen zu stärken – finanziert über zweckgebundene Swiss Sovereign Defense Bonds.
Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats: Die Schaffung eines Nationalen Sicherheitsrats, der silo-bedingte Blockaden in Bern überwindet und Verteidigung, Technologie, Energie, Finanzstabilität und Wirtschaft strategisch integriert.
Demokratische Legitimität stärken: Mehr Transparenz und Rechenschaft durch jährliche öffentliche sicherheitspolitische Anhörungen der Chefs von VBS, Armee und NDB im Parlament, um demokratische Legitimität und das gesellschaftliche Bewusstsein für die geopolitische Lage zu stärken.
Das Chancenbarometer Schweiz leistet hierzu einen entscheidenden Beitrag: Es verankert das Thema Resilienz breit in der Öffentlichkeit und schafft eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die Stärkung unserer nationalen Sicherheit.
Beat Wittmann ist Gründer und Partner von Porta Advisors, Gründungsmitglied des Sovereign Europe Forum an der Münchner Sicherheitskonferenz und im Advisory Board des Chancenbarometers.