6. Chancenbarometer - Expertenstimmen zum Thema Resilienz
Die geopolitischen Spannungen nehmen zu und wirtschaftliche Abhängigkeiten werden stärker politisiert. Für ein exportorientiertes und eng vernetztes Land wie die Schweiz hat diese Entwicklung direkte Konsequenzen. Aussenpolitik, Wirtschaftspolitik und Sicherheitspolitik lassen sich heute nicht mehr getrennt betrachten. Resilienz entsteht dort, wo diese Politikfelder zusammenspielen – durch stabile internationale Beziehungen, offene Märkte und verlässliche Partnerschaften.
Resilienz ist zu einem zentralen Begriff der Schweizer Politik geworden. Eine kleine, aber sehr starke Volkswirtschaft wie die Schweiz muss sich strategisch auf die veränderte Weltlage einstellen. Nur wenn wir unsere wirtschaftliche Stärke, unsere internationalen Beziehungen und unsere sicherheitspolitischen Interessen zusammendenken, können wir Stabilität, Sicherheit und Wohlstand langfristig sichern.
Unsere Beziehungen in Europa bleiben ein Schlüssel
Als Präsident der EFTA/EU-Delegation der Bundesversammlung erlebe ich regelmässig, wie eng Aussenpolitik und Wirtschaftspolitik miteinander verbunden sind. Die Delegation pflegt den parlamentarischen Austausch mit dem Europäischen Parlament und begleitet Entwicklungen in der internationalen Handelspolitik. Die Europäische Union ist mit Abstand die wichtigste Handelspartnerin der Schweiz und zentral für unsere Exportwirtschaft. Gerade in einem zunehmend dynamischen geopolitischen Umfeld ist dieser Dialog zentral, um Verständnis für die Position der Schweiz zu schaffen und stabile wirtschaftliche Beziehungen zu sichern.
Freihandel stärkt die Widerstandsfähigkeit
Resilienz bedeutet aber auch, Risiken zu diversifizieren. Deshalb ist eine aktive Freihandelspolitik zentral. Die Schweiz arbeitet derzeit an Abkommen mit verschiedenen Wirtschaftsräumen – von den Mercosur-Staaten bis zu asiatischen Wachstumsmärkten. Solche Partnerschaften eröffnen neue Chancen für die Schweizer Wirtschaft und helfen gleichzeitig, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren.
Für ein exportorientiertes Land wie die Schweiz sind offene Märkte kein Selbstzweck. Sie sind eine zentrale Voraussetzung für Innovation, Investitionen und Arbeitsplätze.
Wirtschaftliche Stabilität ist auch Sicherheitspolitik
Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie eng wirtschaftliche Stabilität und sicherheitspolitische Fragen miteinander verbunden sind. Unterbrochene Lieferketten oder geopolitische Konflikte können unmittelbare Auswirkungen auf Versorgung, Produktion und Wohlstand haben.
Diese Zusammenhänge zeigen sich besonders deutlich in exportorientierten Schlüsselbranchen. Als Präsident von Swiss Medtech sehe ich täglich, wie stark Innovation, internationale Zusammenarbeit und stabile Marktzugänge miteinander verknüpft sind. Die Medizintechnik ist eine der wichtigsten Exportbranchen der Schweiz – und zugleich ein Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Stärke auch zur Versorgungssicherheit beitragen kann.
Die Schweiz hat historisch davon profitiert, Brücken zu bauen – politisch, wirtschaftlich und diplomatisch. Gerade in einer Zeit geopolitischer Umbrüche bleibt diese Vernetzung unsere grösste Stärke. Eine offene, vernetzte Schweiz ist auch eine sichere und stabile Schweiz.
Damian Müller (FDP) ist Luzerner Ständerat, Mitglied der Aussenpolitischen Kommission und Präsident der Delegation EFTA / Europäisches Parlament.