Die Schweiz in einer Welt im Umbruch. Wie gewinnt sie an Resilienz und nutzt ihre Chancen?
Mit dem 6. Chancenbarometer (CB) weitet sich der Blick: Weg von innenpolitischen Debatten, hin zu globaler Verortung und strategischer Verantwortung. Unsere Studie will Orientierung bieten in einer Zeit, die zunehmend als unübersichtlich, risikobehaftet – und zugleich chancenreich empfunden wird.
Denn ob Neutralität, Europa, Sicherheit oder Wohlstand: Die Frage, was die Schweiz im Umbruch zusammenhält und zukunftsfähig macht, betrifft jeden und jede von uns. Sie entscheidet über Handlungsfähigkeit – nach innen wie nach aussen.
Im Vorfeld zur Erhebung der Daten durch das Meinungsforschungsinstitut Sotomo, hat das Projektteam mit hochkarätigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung diskutiert, was die Studie für die Schweiz bedeuten könnte und was das Setting erfassen sollte. Nico Luchsinger, Executive Director Asia Society Switzerland, war einer der Teilnehmenden und ist im Advisory Board der 6. Ausgabe des CB. Er beantwortet uns hier, warum er sich für das Chancenbarometer engagiert, welche Fragen im Workshop diskutiert wurden und was er sich von der Studie erhofft.
Nico Luchsinger, warum engagierst du dich für das Chancenbarometer (CB)?
In der Schweiz werden die globalen Veränderungen primär als Herausforderungen gesehen und diskutiert. Aber in jeder Veränderung liegen auch Chancen, und es ist wichtig, dass wir diese Chancen erkennen und diskutieren.
Wann hast du das erste Mal vom CB erfahren und was für Impulse konntest du dir für deine Arbeit daraus ableiten?
Das Chancenbarometer prägt die öffentliche Diskussion in und über die Schweiz seit Jahren und hilft, die grossen Fragen und Debatten unserer Zeit greifbar zu machen. Es inspiriert dazu, konsequent über Chancen und nicht nur Probleme nachzudenken - eine sehr nützliche Angewohnheit für Führungskräfte!
Im Mai 2025 trafen wir uns im exklusiven Kreis zum Expertenaustausch und damit Grundlage für die 6. Ausgabe. Was war für dich der wichtigste «Take Away»?
Im Gegensatz zu früheren Themen des CB ist der geopolitische Umbruch schwerer fassbar. Wir befinden uns mitten in einer Entwicklung, bei der nicht nur der längerfristige Ausgang unklar ist, sondern auch um die Bedeutung jeder einzelnen Veränderung debattiert wird. Das macht die Debatte, und die Frage nach Chancen und Risiken, schwer fassbar - aber umso wichtiger.
In welcher Gruppe hast du mitdiskutiert und mit welchen Kernfragen habt ihr euch beschäftigt?
Unsere Gruppe «Handel und Wirtschaft» hat sich damit beschäftigt, wie die kleine und exportorientierte Schweiz auf eine Welt reagieren soll, in der auch der Handel immer weniger regelbasiert ist und von geopolitischen Veränderungen getrieben wird. Noch vor dem Trumpschen «Zollhammer» haben wir darüber nachgedacht, wie die Schweiz reagieren, und mit welchen anderen Akteuren sie ihre Handelsbeziehungen ausbauen soll.
Welchen strategischen Ideen erwartest du aus den Ergebnissen oder besser gesagt, welche wünschst du dir?
Die Debatte in der Schweiz ist geprägt vom Wunsch, dass alles so bleiben soll, wie es ist, und sich die Schweiz entsprechend auch nicht verändern muss; und der Angst, dass wir nun alle unsere Prinzipien über Bord werfen müssen, um uns an eine neue Realität anzupassen. Vom CB wünsche ich mir Impulse, wie die Schweiz in der globalen Entwicklung eine produktive Rolle spielen kann, ohne ihre Werte aufzugeben.
In deinen Augen, was kann das CB zur Positionierung der Schweiz im internationalen Gefüge konkret beitragen?
Mit dem Fokus auf Chancen macht das CB die politische Diskussion breiter und nuancierter. Es liefert keine fertigen Antworten und Rezepte, sondern trägt dazu bei, den Blick zu erweitern.
Und was ist dein ganz persönlicher Wunsch, wie das CB den Umgang mit Wandel erleichtert?
Die Einsicht, dass sich die langfristigen Effekte der globalen Veränderungen wirklich kaum abschätzen können - das klare Prognosen ein Ding der Unmöglichkeit sind - ist zentral. Sie lenkt die Diskussion von schwammigen Zukunftsszenarien, denen die Schweiz ausgeliefert ist, auf die Frage, wie die Schweiz heute eine aktive und positive Rolle spielen kann.